Rundgang im Park

Skulpturen aus unterschiedlichen Jahrzehnten zeigen die Vielfalt dreidimensionalen Schaffens

Mit dem 2008 eröffneten Erweiterungsbau wurde auch die Parkanlage des Kunsthauses Grenchen neugestaltet und die Grossplastiken aus der Sammlung gesetzt. Mit dem Rundgang entlang der Skulpturen wird der vielfältige Umgang mit verschiedenen Materialien und die unterschiedlichen Bildsprachen der Bildhauer, die mehrheitlich mit der Region verbunden sind, ersichtlich.

Oscar Wiggli, o.T., ca. 1977
Oscar Wiggli

*1927 Solothurn, †2016 Solothurn

Wigglis bildnerisches Werk widmet sich dem menschlichen, insbe-sondere dem weiblichen Körper und dessen Abstraktion. Dabei nimmt über die Jahre die Grösse seiner Werke zu und seine Formensprache wird schlichter. Die Körper setzt Wiggli aus Fragmenten und einzelnen Wölbungen zusammen, welche er seit Ende der 1980er Jahre in den von-Roll-Werken mit indu-striellen Pressen und Hämmern wie auch mit selbstgebauten Werk-zeugen formt. Dem groben und schweren Material wird durch die Bearbeitung und die Komposition eine eigene Anmut entlockt. Wiggli gilt als einer der Schweizer Haupt-vertreter geschmiedeter und getriebener abstrakten Eisenplastik.

Heinz Schwarz, Laure, 1980
Heinz Schwarz

*1920 Arbon, †1994 Satigny

Die Skulptur „Laure“ von Heinz Schwarz zeigt wie die meisten Figuren seiner späten Schaffensjahre ein äusserst zartes Wesen. Durch die glänzende Oberfläche des Bronze-gusses wirkt die Haut des Mädchens beinahe transparent. Das Schutz-bedürfnis, das in der fragilen Zeit der Adoleszenz besteht, wird eindeutig. Auch wenn die Darstellung des Mädchens weitestgehend der Natur folgt, so ist sie doch nicht naturalistisch. Die Überlängung der Figur nimmt die gängigen weiblichen Schönheitsideale langer, schlanker Gliedmassen auf, die den Eindruck einer Kindfrau verstärken.

Heiko Schütz, Knoten, 1990
Heiko Schütz

*1954 Kirchberg

Der wohlgeordnete Knoten ist ein wiederkehrendes Element in Schütz‘ Schaffen. Auch wenn seine einzelnen Stränge gut mit den Augen vonein-ander abzugrenzen sind, so ist der Weg um sie voneinander zu trennen, den Knoten zu lösen, nicht auf Anhieb ersichtlich. In der im Kunst-hauspark gesetzten Skulptur „Knoten“ des ausgebildeten Mechanikers Schütz ist ein einzelner Strang mit vermeintlicher Leichtig-keit geknüpft. Das schwere und starre Material steht in der Luft und sieht locker geschlagen aus. Schütz‘ Werke, Eisen-Bilderbücher und Brunnenskulpturen finden sich über die Region hinaus an vielerlei Orten im öffentlichen Raum.

Franz Eggenschwiler, Busch-Säule, 1985
Franz Eggenschwiler

*1930 Solothurn, †2000 Bern

Ein Grossteil der Einzelteile der Eisenskulptur „Busch-Säule“ stammt aus der Heimatstadt des deutschen Malers und Humoristen Wilhelm Busch und ist die filigranste Arbeit im Kunsthauspark. Die nicht ein-deutig zu identifizierenden Formen bilden eine spielerische Assemblage, die für Vielerlei Assoziationen Raum lässt. Die Faszination für Stahl und Schrott ist bei Eggenschwiler bereits in der Kindheit geweckt, als er regel-mässig an den Stahlwerken in Gerlafingen vorbeikommt. Als erster Schweizer Objektkünstler verleiht er mit dem Zusammenfügen von Fundstücken Schrottgegenständen Autonomie und eine persönliche Sinndeutung.

Peter Travaglini, Drei Figuren, 1993
Peter Travaglini

*1927 Bern, †2015 Büren an der Aare

Ist man in der Region unterwegs, trifft man Peter Travaglinis Figuren häufig an. Rund 200 seiner Werke befinden sich im öffentlichen Raum. Die von ihm als „Etui-Menschen“ bezeichneten Figuren entstammen einer Form – gleich des Etuis – wie die Menschen einem Hintergrund und einer Herkunft entstammen. Der Mensch ist im Erachten des Künstlers ein Wesen mit solidem Bodenkontakt, dessen Blick ihn träumerisch mit der Ferne und Höhe verbindet.
Travaglini war neben seiner künst-lerischen Arbeit auch kulturpolitisch engagiert. Bei der Errichtung der Stiftung Kunsthaus Grenchen 1972 gehörte er dem ersten Stiftungsrat an.

Jean-Louis Ruffieux, Klangstein, 1998
Jean-Louis Ruffieux

*1947 Freiburg i. Ue., †2013 Lenzburg

Auf den ersten Blick erscheint Ruffieux’ Skulptur im Park wie ein natürlicher Findling. Erst beim näheren Herantreten erkennt man die Erhebungen und Vertiefungen an der Oberfläche des Steins. Der Quader als Ausgangsform ist noch ersichtlich und verweist auf den künstlichen Ursprung der Skulptur. Ruffieux hat dem naturgemäss fossilienreichen Jura-Kalkstein weitere fossilienähnliche Gebilde beigefügt. Bei den aneinander-gereihten Buckeln entsteht der Anschein von versteinertem organischem Leben. Ruffieux absolvierte seine Ausbildung zum diplomierten Bildhauermeister in Grenchen und besuchte die Kunstgewerbeschulen Bern und Basel.

Bruno Leus, Drei Stelen, 1992
Bruno Leus

*1943 Basel

Die Skulptur „Drei Stelen“ wurde erstmals 1992 im Garten des Kunsthauses aufgebaut. Das zu der Zeit noch frische Eichenholz hat sich über die Jahre verwandelt: Aus den in die Stämme eingefrästen Vertief-ungen wachsen Pilze und Flechten, Wind und Wetter hinterlassen ihr Spuren und Insekten bohren sich eigene Löcher in das Holz. Bruno Leus hat damit mit einfachen Formen eine „lebende“ Skulptur geschaffen. Auch wenn Eichenholz ein Holz mit hohem Abnützungs-widerstand ist, ist Leus’ Skulptur verglichen zu den anderen Werken im Kunsthausgarten durch sein Material das wandelbarste – an ihm nagt der Zahn der Zeit.

Kurt L. Metzler, o.T., 1985, Eisen
Kurt Laurenz Metzler

*1941 St. Gallen

Die Figur im Grencher Kunsthausgarten lässt in groben Zügen einen Menschen erahnen. Metzler beschäftigte sich stets mit der menschlichen Figur. Besonders im öffentlichen Raum bilden ver-schiedene Typen von Stadtmenschen ein zentrales Themenfeld Metzlers Arbeiten. Inspiriert von der US-amerikanischen Pop Art schafft er in den 1960er und -70er Jahren bunte Skulpturen aus Polyester in Über-lebensgrösse. Später findet er zu Eisen, Aluminium und Bronze. Unter anderem mit der Figuren-gruppe „Züri-Familie“ (Eisen, 1978-79) an der Zürcher Bahn-hofsstrasse gelingt ihm der Durchbruch.

Heinz Schwarz, Torso, 1956
Heinz Schwarz

*1920 Arbon, †1994 Satigny

Der Beginn der bildhauerischen Tätigkeit von Heinz Schwarz geht in die 1940er Jahre zurück. 1943 geht er nach seiner Lithographenlehre von Aarau nach Genf und findet den Weg vom Steinzeichnen zum Steinhauen. Ein Werk aus Schwarz‘ weniger bekanntem früheren Schaffen ist die Skulptur „Torso“. Sie ist alles, was die Skulptur „Laure“ – ebenfalls im Park des Kunsthauses – nicht ist: Sehr frei in der Gestaltung eines weiblichen Körpers ist die Skulptur ein Rest oder ein Anfang eines Körpers, eben ein Torso. Auch die Oberfläche der Bronze bildet einen Gegenpol zu späteren Werken. Sie ist gefurcht, rau und weist eine natürliche Materialalterung auf.

Jean Mauboulès, N° 23, 2011
Jean Mauboulès

*1943 Poey de Lescar/FR

Seit der monografischen Ausstellung im Kunsthaus Grenchen zu Jean Mauboulès' Schaffen bereichert seine Skulptur „N° 23“ erst als Dauerleihgabe, dann als Schenkung des Künstlers den Kunsthauspark. Hier fällt vor allem die Leichtigkeit, die den Stahl der Schwerkraft zu entheben scheint, auf. Aus ihr geht eine Spannung hervor, die auf der Unsicherheit über ihre Stabilität beruht und damit unsere Wahr-nehmung erprobt. In der Anordnung der vermeintlich strengen Formen liegt das Spielerische. Grundmotiv von Mauboulès‘ Werken ist der „Mouvement arrêteé“ (angehaltene Bewegung). Den Künstler interes-siert dabei die technische Verarbei-tung ebenso wie die menschliche Wahrnehmung.

Peter Zaugg, Grenchner Pflug, o.D.
Peter Zaugg

*1952 Grenchen

Der gebürtige Grenchner und gelernte Huf- und Fahrzeugschmied ist als Künstler Autodidakt. Seit 1984 betreibt er eine eigene Schlosserei und Kunstschmiede in Grenchen. Eisen spielt bei Zaugg auch als Aus-gangsmaterial für seine künstler-ischen Arbeiten die zentrale Rolle. Meist entstehen Reliefs, wofür er kaum je Skizzen verwendet, sondern direkt auf das Eisen zeichnet und es bearbeitet. Seine Inspiration kommt aus den vielfältigen Formen und Strukturen der Natur. Im Zentrum seines Werkes steht der Pflug, der auch im Grenchner Wappen wiederzufinden ist.